Photo: Mercedes F1
Der Grand Prix von Monaco wird das erste Formel-1-Rennen sein, das unter den überarbeiteten Regeln für die Antriebseinheiten ausgetragen wird, nachdem die FIA eine Regelungslücke geschlossen hat, die Berichten zufolge von Mercedes High Performance Powertrains genutzt wurde.
Während der Vorsaison wurde berichtet, dass Mercedes HPP einen Weg gefunden habe, bei seiner Antriebseinheit für 2026 ein Verdichtungsverhältnis von bis zu 18:1 zu erreichen, obwohl das Reglement einen Höchstwert von 16:1 vorsieht. Es wird angenommen, dass auch Red Bull Powertrains ein ähnliches Konzept untersucht hat, dieses jedoch später wieder verwarf.
Das Problem lag im Wortlaut der Vorschriften. Nach den ursprünglichen Regeln wurde das Verdichtungsverhältnis bei Umgebungstemperatur in der Boxengasse gemessen. Dadurch bestand die Möglichkeit, einen Motor zu entwickeln, der bei den Kontrollen regelkonform war, auf der Strecke bei Betriebstemperatur jedoch mit einem höheren effektiven Verdichtungsverhältnis arbeitete.
Paddock-Spekulationen zufolge basierte die Lösung von Mercedes auf der Verwendung von Materialien, die sich bei Wärme ausdehnen. Mit steigender Temperatur konnte sich die Geometrie bestimmter Bauteile leicht verändern, wodurch das Verdichtungsverhältnis über den bei FIA-Kontrollen gemessenen Wert anstieg.
Nach Beschwerden konkurrierender Hersteller beschloss die FIA, die Regeln anzupassen. Seit dem 1. Juni wird das Verdichtungsverhältnis bei einer Motortemperatur von 130 °C gemessen, wodurch diese Möglichkeit ausgeschlossen wird.
Ursprünglich sollte die Regeländerung erst am 1. August nach dem Großen Preis von Ungarn in Kraft treten. Die FIA zog den Termin jedoch vor, sodass die neuen Vorschriften bereits beim Grand Prix von Monaco gelten.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob Mercedes einen bedeutenden Leistungsvorteil verliert. Die tatsächlichen Auswirkungen sind noch unklar, doch die Entscheidung deutet darauf hin, dass die Konkurrenz dem Konzept einen relevanten Nutzen zuschrieb. Sollte Mercedes tatsächlich von einem höheren effektiven Verdichtungsverhältnis profitiert haben, könnte die neue Messmethode diesen Vorteil verringern.
Gleichzeitig gibt es keine öffentlich zugänglichen Beweise dafür, wie groß der Leistungsgewinn tatsächlich war oder ob Mercedes das Konzept vollständig im Renneinsatz nutzte. Die Antwort dürfte sich erst nach dem Vergleich der Leistungen unter den neuen Regeln zeigen.
Monaco wird damit nicht nur das erste europäische Rennen der Saison sein, sondern auch die erste Gelegenheit, zu sehen, ob der Eingriff der FIA das Kräfteverhältnis zwischen den Motorenherstellern verändert hat.
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